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Was der Literaturwissenschaftler Thomas Antonic aus dem Netz löschen lässt

Thomas Antonic ist ein Literaturwissenschaftler der Universität Wien, der gerne Recht hat, vor allem da, wo er im Unrecht ist. Und darum drohte der promovierte Germanist jetzt der deutschen Internetseite www.Fixpoetry.com, die sich seit Jahren engagiert mit Literatur und bildender Kunst auseinandersetzt. Dort hatte nämlich Secession-Verleger Joachim von Zepelin einen für Antonic wenig vorteilhaften Text veröffentlicht. Der müsse umgehend gelöscht werden, forderte der Zensor aus Wien, weil er gegen zahlreiche österreichische Rechtsvorschriften verstoße.  Sicher galt in Österreich und Deutschland einmal das gleiche Recht, doch dass dieser Zustand glücklicherweise überwunden ist, scheint bei Antonic noch nicht angekommen zu sein. Und dass der für Antonic unvorteilhafte Text darüber hinaus rechtlich kaum zu beanstanden ist, fällt bei ihm ohnehin kaum ins Gewicht, denn für den Wissenschaftler Antonic zählt vor allem, wie er die Dinge gerne sehen würde. Was man sonst noch über diesen von sich und seiner Expertise höchst überzeugten Geisteswissenschaftler sagen kann, das wollte er nicht im Internet lesen müssen. Darum drohte er der Fixpoetry-Herausgeberin mit einer wilden Sammlung österreichischer Paragrafen. Und weil sich die Fixpoetry-Herausgeberin keinen Ärger leisten kann und will, sondern lieber über Literatur debattiert, hat sie dem Löschbegehr des ehrlich schwer Verletzten nachgegeben, allerdings mit der Bemerkung: »Wir sehen uns außer Stande, auf zwar haltlose, jedoch juristische Drohungen, ausgesprochen von Thomas Antonic (...) zu reagieren.«

 

Wir haben uns entschlossen, diesen jetzt gelöschten Text weiter verfügbar zu machen, aus mehreren Gründen: Zepelin reagierte damit auf einen zuvor veröffentlichten und vor inhaltlichen Fehlern und Auslassungen strotzenden Meinungsartikel eines Funktionärs, der Antonic wegen eines für diesen unglücklich ausgegangenen Rechtsstreits mit dem Verleger zur Hilfe eilte. Dieser unsägliche Text ist weiterhin an anderer Stelle im Internet nachzulesen (auch wenn Antonic in unnachahmlicher Großzügigkeit gestattete, dass dieser zwar nicht von ihm stammende, aber ihn in seiner juristisch vorerst letzten Niederlage tröstlich stützende Text aus ausgleichender Gerechtigkeit bei Fixpoetry ebenfalls gelöscht werden dürfe).  Außerdem ist es ein seltenes Beispiel von Ironie, wenn jemand wie der Antonic-Helfer Gerhard Ruiss Debatten und das geschliffene Wort statt gerichtlicher Auseinandersetzungen über offensichtliche Falschaussagen fordert und sein Schützling dann mit Paragrafen droht und einen Text zu diesem Beitrag aus dem Netz löschen lässt. Und schließlich sollen diejenigen Feinschmecker, die Freude an solchen Auseinandersetzungen haben, auf ihre Kosten kommen und sich ein besseres Bild von diesem Wiener Löschmeister unter den Literaturwissenschaftlern  machen können. Wir wünschen eine anregende Lektüre:

 

Gegendarstellung zu G. Ruiss (Causa Antonic)


07.01.2018

Gerhard Ruiss, der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Autoren und Autorinnen in Österreich, hat an dieser Stelle einen Text veröffentlicht, in dem er sich als ein aufrechter Verteidiger einer hehren Debattenkultur aufspielt, in der allein »das geschliffene Wort« zählt. Doch ob wissentlich, aus Unkenntnis oder aus Gewohnheit, der angriffslustige Funktionär mit seinen reflexhaften Reaktionen auf alles, womit er sich in Szene setzen kann, ist als armseliger Beispringer eines Scharlatans gelandet, dem es an Redlichkeit mangelt, der bei Bedarf nach Gerichten schreit oder sie für obsolet erklärt und der Debatten durch falsche Behauptungen vergiftet.

Im Prinzip sind der Gewerkschafter und ich (seit 34 Jahren Ver.di-Mitglied) einer Meinung: Ein Streit unter Autoren und/oder mit Verlagen sollte ohne Gerichte ausgetragen werden, weil das sicher nur den finanziellen Blutzoll, aber nicht unbedingt den intellektuellen Erkenntnisgewinn fördert. Darum hat mein Verlag auch nach einer gütlichen Lösung eines Streits zwischen unserem Autor Urs Mannhart und dem österreichischen Journalisten Thomas Brunnsteiner gesucht, der Mannhart vorwarf, auf einigen Seiten (etwa drei Prozent des Gesamtwerks) einige Motive und Textstellen von ihm benutzt und weiterverarbeitet zu haben. Wir und Urs Mannhart waren sofort einsichtig, dass man diese im Text vollkommen unverschleierten Übernahmen besser hätte kenntlich machen sollen, und boten aus kollegialen Gründen an, dem Buch »Bergsteigen im Flachland« eine Erklärung beizulegen. Aber Brunnsteiner wollte Kapital aus seiner Entdeckung schlagen und forderte — versehen mit einem Ultimatum — 30.000 Franken von uns und die Neuveröffentlichung eines Buchs von ihm (das ich übrigens gar nicht so schlecht finde). Sollten wir nicht auf diese Erpressung eingehen, würde er uns verklagen. Munition lieferte ihm der Germanist Thomas Antonic in einem »wissenschaftlichen Fachgutachten«, das so hanebüchen schlecht war, dass Urheberrechtsexperten es heute wahrscheinlich als abschreckendes Beispiel für präpotente Kraftmeier in Lehrveranstaltungen benutzen.

Darum und weil wir uns und Urs Mannhart im strengen juristischen Sinn keiner Schuld bewusst waren und uns auch unsere Autoren lieber aus freien Stücken aussuchen, sahen wir einer Klage eher gelassen entgegen. Die folgte dann auch, und sie fand zunächst in einem im Urheberrecht ähnlich erfahrenen Schweizer Handelsrichter einen Geistesbruder von Brunnsteiner und Antonic. Aufgrund einer selten unqualifizierten und haltlosen einstweiligen Verfügung durfte der grandiose, bis dahin hochgelobte Roman ein knappes Jahr lang nicht verkauft und nicht beworben werden. Jeder Autor weiß, was das bedeutet: Der Titel ist damit so gut wie tot, der Autor schwer angeschlagen und die jahrelange Arbeit für die Katz, auch wenn am Ende bei der ersten ordentlichen Verhandlung  vor Gericht alle drei Experten einhellig zu dem Urteil kamen, dass die einstweilige Verfügung falsch und die Klage unbegründet war und Brunnsteiner Schadenersatz zahlen muss. Wir waren gnädig, weil wir Brunnsteiner nicht in den Ruin treiben wollten, und ließen uns auf einen Vergleich ein, bei dem der gescheiterte Kläger mit 20.000 Franken einen Bruchteil der für uns und Urs Mannhart schmerzhaften tatsächlichen Kosten für den von ihm angerichteten Schaden ersetzen musste.

Das ist die Vorgeschichte, auf die Gerhard Ruiss anfangs in seinem Text am Rande eingeht, freilich ohne anzumerken, dass Brunnsteiner es war, der uns erpresst hat und unbedingt gegen uns klagen wollte und dass Antonic ihm dabei assistierte, wenn auch als offensichtlicher Dilettant, der etwa den Duden als einschlägige Fachliteratur zitierte und dem wesentliche Grundbegriffe des Urheberrechts wohl so unbekannt waren, dass sie jedenfalls in seinen »Gutachten« nicht vorkommen. Auch nicht in einem ausführlichen Text im Album des Wiener Standard, in dem er – wohl notgedrungen – viel meinte und wenig argumentierte und Mannharts Übernahmen als einen besonders schlimmen Fall von Urheberrechtsverletzung darstellte. Vor allem aber wies er nirgendwo in diesem Text darauf hin, dass er der »Privatgutachter« von Thomas Brunnsteiner und damit natürlich befangen in der Sache war. Und nicht nur das: Als ich dann recherchierte, wer denn dieser mir bis dahin gänzlich unbekannte Magister Doktor Antonic von der Universität Wien und Max Kade Fellow am Department of German der University of California in Berkeley eigentlich ist, fand ich auch die Webseite eines etwas durchgedrehten Künstlerkollektivs mit dem Namen „WSBH – Willam S Burroughs Hurts«, zu dessen Mitgründern Antonic gehört. Dort und auf der entsprechenden Facebookseite wurde auch Brunnsteiner als Mitglied des Kollektivs aufgeführt. Er habe sogar kürzlich Regie bei einem WSHB-Film geführt.

Auf diese persönliche Nähe und auf die im und vom Standard verschwiegene Tatsache, dass Antonic der im Urheberrecht unbeleckte Privatgutachter von Brunnsteiner war und eben nicht ein unabhängiger Experte, wie es den Anschein erweckte, wies ich in meiner Entgegnung im Standard hin. Unter dem Titel »Flachsteigen im Bergland« und dem Untertitel »Wie der Germanist Thomas Antonic seinem Freund Thomas Brunnsteiner zur Seite springt und dabei Wissenschaft und Leser betrügt« bezeichnete ich sein »Gutachten« als »Freundschaftsdienst« und »Gefälligkeit«, was später durch den Ausgang des Urheberrechtsverfahrens bestätigt wurde.

Doch die Sache wurde noch verrückter. Eine Woche nach meiner Entgegnung im Standard gab das Blatt Antonic noch einmal Gelegenheit zu einer Antwort auf meine Entgegnung. Und da behauptete er, Brunnsteiners Mitgliedschaft in seinem Künstlerkollektiv sei eine »Erfindung« von mir. Hatte ich geträumt? Ich prüfte noch einmal die WSBH-Seite und die Facebookseite und tatsächlich, da kam der Name Brunnsteiner nicht vor. Auch im Google-Cache war er nicht zu finden. Ich zweifelte schon, doch dann fand ich eine Version der Webseite, wie sie eine Woche zuvor noch ausgesehen hatte. In der Woche nach meiner Entgegnung im Standard und vor der neuerlichen Entgegnung Antonics hatte also jemand sehr viel Energie darauf verwendet, den Namen Thomas Brunnsteiner gründlich im Netz zu löschen, wahrscheinlich um diese weitere Verbindung zwischen Brunnsteiner und WSBH und damit zu Antonic unsichtbar zu machen.

Antonic sagte später vor Gericht, er sei es nicht gewesen, er habe auch gar nicht gewusst, was da auf seiner Webseite und Facebookseite stand. Wer von den ungefähr acht WSBH-Mitgliedern mit Zugangsberechtigung das dort eingetragen haben könnte,  wisse er auch nicht, es ließe sich auch nicht feststellen. Und auch als er seine Entgegnung auf mich geschrieben habe, habe er immer noch nichts davon gewusst, dass die zuvor von mir zitierte Mitgliedschaft Brunnsteiners tatsächlich einmal auf seiner Webseite gestanden hatte und nun wundersamer Weise gelöscht war. All das glaube ich ihm natürlich, denn Thomas Antonic weiß nun einmal in diesen Dingen vom Urheberrecht und von seiner eigenen Webseite nicht viel (nicht einmal, wer für die Seite medienrechtlich verantwortlich ist), macht davon aber regen Gebrauch.

Mir platzte der Kragen, dass dieser Literaturwissenschaftler, der sich schon im Verfahren gegen Urs Mannhart ganz aufs Meinen verlegt hatte, so freizügig mit der Wahrheit umgeht. Ich wollte eine Klarstellung, dass nicht ich die Mitgliedschaft Brunnsteiners »erfunden« hatte, wie er öffentlich in der Zeitung behauptete, sondern dass ich diese Tatsache von seiner Webseite abgeschrieben habe (aufgrund seiner sehr speziellen Kenntnissen im Urheberrecht hatte ich darum in dieser Situation auch eher mit einer Plagiatsklage von Antonic gerechnet). Jetzt reichte ich Klage ein. Es wäre leicht für Antonic gewesen, zu erklären, dass seine Behauptung falsch war, dann wäre das Verfahren schon ganz am Anfang zu Ende gewesen. Aber er wollte das nicht, beantragte stattdessen Zeugenvernehmungen im Ausland mit Übersetzung und trieb die Gerichts-, Anwalts- und Verfahrenskosten fleißig in die Höhe. Als ganz am Ende dann ein Vergleich unausweichlich wurde, bei dem Antonic neben seinen Anwaltskosten meine Auslagen in Höhe von 11.000 Euro übernehmen musste, bettelte seine Anwältin noch darum, dass ich doch wenigsten einen Teil der Kosten dieses armen Poeten übernehme, ich wisse doch, wie es um die Existenz dieser Schriftsteller bestellt sei. Eben!

Antonic hat sich in seinem Standard-Artikel auf die Position gestellt, dass »zu Plagiaten im Feuilleton kein adäquates Urteil gefällt werden kann, da hier bloß subjektive Meinungen pro oder contra wiedergegeben werden, die teilweise mit Interessenvertretungen zu tun haben, nichts aber mit der Rechtslage«.

Da hatte er wohl mehr Recht als ihm lieb sein kann. Als dann aber das Urteil gegen Brunnsteiner und damit auch gegen seine engagierte Sicht auf die Dinge aufgrund der eindeutigen Rechtslage fiel, hieß es dann aber plötzlich in einer hundertprozentigen Kehrtwendung:

Roman Bucheli (der Kritiker der NZZ) hat außerdem bereits vor einem Jahr in der Neuen Zürcher Zeitung alles Wesentliche zu diesem Fall dargelegt. 

Bucheli hatte sich nämlich kritisch zu Mannhart geäußert. Und in einer Email, die in einem von Fixpoetry verlinkten Text zitiert wird, spitzt er seine elende Schelte gegen Gerichte und Gesetze dann noch zu:

»Im Grunde genommen bedarf dieser Fall weder einer wissenschaftlichen Analyse, noch eines gerichtlichen Urteils. Ein Blick auf die Fakten reicht, um festzustellen, wer im Unrecht ist.«

Wer braucht denn Wissenschaftler und Gerichte, wenn wir doch Thomas Antonic mit seinem klaren Blick auf die Fakten haben, auch, wenn er gelegentlich mal andere fälschlich beschuldigt? Und als er nun am Ende in unserem Verfahren einwilligte, meine Auslagen zu übernehmen, quittierte dieser notorische Möchtegern-Rechthaber das auch noch mit dem Klischee, das Recht haben und Recht bekommen offensichtlich zwei verschiedene Dinge seien. Einsichtsfähigkeit ist ihm eben gänzlich fremd, da ist er konsequent.

Warum schildere ich das hier so ausführlich? Weil ich diesen Literaturwissenschaftler Antonic und seinesgleichen für Brunnenvergifter der intellektuellen Debatte und des demokratischen Diskurses halte. Da werden einfach Dinge behauptet, die der peer group gefallen, die aber nichts mit der Wahrheit und schon gar nicht mit einem abwägenden Urteil zu tun haben, da werden diskursethische Grundsätze über den Haufen geworfen, da werden Freundschaftsdienste als wissenschaftliche Äußerungen präsentiert und da wird bis zuletzt dafür gekämpft, etwas behaupten zu dürfen, was objektiv falsch ist.

Wie gefährlich solche unlauteren Antonics sind, dass lässt sich an dem Text von Gerhard Ruiss ablesen, der als Funktionär diesem selbstverliebten Vertreter des Ich-weiß-was-Recht-ist reflexhaft beispringt, vorgeblich um den Diskurs zu retten. Doch was macht Ruiss in seinem Text? Er verheimlicht sogar den Kern, um den es im Verfahren gegen Antonic ging, nämlich, dass 1. der Satz, gegen den ich mich gewehrt habe, nämlich das ich die Mitgliedschaft Brunnsteiners im Künstlerkollektiv WSBH erfunden hätte, falsch ist, dass 2. diese Tatsache auf der von Antonic selbst betriebenen Webseite und Facebookseite nachzulesen war und dass 3. Antonic sich weigerte, seine falsche Behauptung zu korrigieren. Geschenkt, dass Ruiss sich im Juristischen nicht auskennt und von einem »Freispruch« in einem Zivilverfahren spricht und den Streitwert mit einer Strafzahlung verwechselt. Viel wichtiger sind aber die Bemerkungen, die er an dieser Stelle über die intellektuelle Debatte fabulieren durfte: Beschädigt sei durch den Ausgang dieses Verfahrens »gleich mehreres: 1. die Diskurs- und Streitkultur, 2. das Verhältnis Verlag–Autor, 3. die Meinungs-, Medien- und Wissenschaftsfreiheit, 4. der Ruf von Verlagen als Garanten und Hüter der Meinungsfreiheit.«

Das ist starker Tobak. Belegt wird das allerdings durch gar nichts. Darum gehen wir einmal die einzelnen Punkte durch, die auch diese Webseite für veröffentlichungswürdig befand:

1. Ruiss schreibt:

»Es hat dem Verlag ganz offensichtlich nicht genügt, in einer Urheberrechtsstreitigkeit recht zu bekommen, sondern es sollten wohl auch noch zusätzlich bestehende kritische Einwände aus dem Weg geräumt werden.«

Was Ruiss hier als »kritische Einwände« bezeichnet, sind objektive Unwahrheiten, die ihr Urheber bis zum Schluss nicht korrigieren wollte. Ruiss scheint es wohl zu schätzen, wenn man Debatten auch mit ein paar Unwahrheiten und Lügen würzt.

2. Ruiss fragt:

»Ist die Ehre ist ein so sehr zu schützendes Gut, dass es nicht einmal möglich ist, dem, der jemandem wissenschaftlichen und Publikums-Betrug vorwirft, zu sagen, die Grundlagen seines Vorwurfs seien erfunden und hätten demnach nichts mit der Realität zu tun.«

Ruiss kennt ganz offensichtlich den Sachverhalt nicht, über den er hier urteilt, und verdreht die Tatsachen ins Gegenteil: Nicht ich habe die Grundlage meines Vorwurfs erfunden, sondern ich habe sie von der Web- und Facebookseite des Beklagten Antonic selbst abgeschrieben. Mit der Realität hat also Antonics Behauptung nichts zu tun.

3. Ruiss glaubt:

»Die Verlegerehre ist ganz offensichtlich über die Freiheit des Wortes der Autor/inn/en und Literaturkritiker/innen zu stellen.«

Im Dienste einer gelungenen Debattenkultur kämpft Ruiss also wohl dafür, dass Autor/inn/en und Literaturkritiker/innen Unwahrheiten über Verleger behaupten dürfen.

4.Ruiss stellt fest:

»Ein solches Verfahrensergebnis ist nicht nur bedauerlich, es ist ein Zeichen für den katastrophalen Zustand der Auseinandersetzungen.«

Da gebe ich ihm mal ganz und gar recht.

5. Ruiss beklagt, dass »sogar in einem solchen Fall und unter Verlagen und Autoren Gerichte statt Medien als Foren der Konfliktaustragung herangezogen werden, wenn nicht mehr das geschliffene Wort zählt, sondern nur noch die größere Finanzkraft, um in einem Konflikt gegen einen Meinungskontrahenten zu obsiegen.«

Da scheint der treue und in seiner Wahrnehmung zumindest dienstlich etwas eingeschränkte Funktionär einige Kilometer von der Wirklichkeit eines Kleinverlages, wie wir es sind, entfernt zu sein. Dass Brunnsteiners von Antonic angefeuerte Klage für uns – und damit auch für unsere Mitarbeiter und eine Reihe unserer AutorInnen –  existenzbedrohend war, kann sich dieser vorgebliche Vertreter der Autoreninteressen wahrscheinlich gar nicht vorstellen. Und dass mit Thomas Antonic ein Totengräber der öffentlichen Debatte in seine Schranken verwiesen wurde, dass sollte dieser selbsternannte Ritter der Diskurskultur wohl besser feiern als es zu verdammen.

Es ist allerdings auch ein Armutszeugnis, wie sich Fixpoetry diese einseitige und mit Auslassungen prall gefüllte Darstellung als dritte Publikation nach den eher wenig beachteten Seiten »Forum Stadtpark« und der Facebookseite des Magazins Schreibkraft zueigen gemacht hat. Nicht nur, dass dieser höchst oberflächliche und uninformierte Meinungsbeitrag einfach so unkommentiert hochtrabend als »Essay« veröffentlicht wurde, Fixpoetry zitierte zunächst als weiterführende Links auch ausschließlich solche Stellungnahmen, die die Sicht von Brunnsteiner und Antonic teilen. Selbst von der im Standard zwischen Antonic und mir ausgetragenen Debatte wurde ausschließlich auf die Beiträge von Antonic verlinkt, auf meine Entgegnung nicht. Auch das scheint mir ein Beispiel dafür zu sein, wie es sogar einem nur wenig vernetzten Autor wie Antonic gelingt, Debatten in Schieflage zu bringen. Nicht nur Thomas Brunnsteiner, der sich auf die vermeintliche Kompetenz seines Kumpels verlassen hat, und der Funktionär Gerhard Ruiss sind Antonic auf den Leim gegangen, auch Fixpoetry hat sich zum Büttel dieses zweifelhaften Literaturwissenschaftlers gemacht.

Joachim von Zepelin