Pressestimmen

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Rezensionsexemplare Presse

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Christian Ruzicska

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VISTA CHINESA | Tatiana Salem Levi
FAZ, Paul Ingendaay
»Ja, so geht es wohl, wenn man sich gegen die Erinnerung sträubt, ihr aber trotzdem entgegentreten muss; so und nicht anders könnte man sich fühlen; wie schrecklich, vor so einer Aufgabe zu stehen, für die es ja keine Anleitung geben kann! Und wie tröstlich, es in diesem bemerkenswerten Roman Schritt für Schritt erzählt zu bekommen. «
Saturnin | Jakub Małecki
Friederike Hartwig
Die Spannung bei der Lektüre entstand für mich durch die verschiedenen Erzählpositionen im Buch: Während der titelgebende Saturnin durchgängig aus einer Ich-Perspektive erzählt, wechselt diese beim Großvater und schafft so gekonnt effektvolle Variation beim Lesen. Die Mutter kommt nur in einem der sieben Teile des Buches zu einer eigenen Form, die ihre Wirkung umso eindrücklicher entfaltet. Der Roman spielt 2014 und beginnt in Teil 1 mit dem allein in Warschau lebenden Saturnin Markiewicz. Aus der Perspektive des 30-Jährigen erfahren wir vom plötzlichen Verschwinden des Großvaters Tadeusz aus dem Haus des Dorfes, in dem die Familie schon immer gelebt hatte. Mit seiner Mutter macht er sich auf die Suche nach dem Alten, nachdem sie einen Hinweis erhalten haben. Teil 2 besteht aus Intimität schaffenden Briefen der damals jugendlichen Mutter an eine Freundin, aus denen wir von der Geburt des kleinen Saturnin erfahren, der von Allen Satek genannt wird. Im 3. Teil erinnert dieser sich episodenhaft an seine Jugend, in der er auf die kleine Hofgemeinschaft mit seiner alltagsbeschäftigen Mutter und dem fast stummen Großvater zurückgeworfen war, die aber mehr neben- als miteinander lebt. Hier sucht er im Ringen um Selbstwirksamkeit und Anerkennung seine Flucht im gefährlichen Leistungssport. Endlich finden Mutter und Sohn den Großvater Tadeusz mitten in der ländlichen Einöde, von dem Satek im 4. Teil auf dem Rückweg im Auto nun zum ersten Mal endlich erzählt bekommt, wie er zum Krieg eingezogen wurde und dass er eine weitere Schwester hatte. Auch hier bleibt die Mutter außen vor, da sie das zweite Auto fährt. Erst wieder zu Hause muss der Sohn ihr die Worte des Vaters wiederholen. Die Leerstelle von Sateks eigenen Vaters kommt im 5. Teil zum Tragen, was wie eine Atempause wirkt, bevor die Erzählung über Tadeusz’ Zeit bis zum Kriegsende und zur Rückkehr seiner Familie bis zu der Zeit folgt, in der sein Enkelsohn geboren werden wird. Im 7. und letzten Teil bricht Satek wieder auf “in seine Welt”, eine Warschauer Einzimmerwohnung, die nicht sehr verlockend daherkommt. Aber zuvor bricht sich etwas in ihm Bahn, er fordert Wissen und damit Hoheit über sein eigenes Leben ein, das er nun vielleicht überhaupt erst anders leben kann als zuvor, als so viel Ungesagtes die Familie beschwerte. Das Buch endet mit einem Aufbruch des übergewichtigen Enkels und schafft zusammen mit dem Nachwort des Autors, der seine eigene Familiengeschichte zum Ausgangspunkt für den Roman nahm, kraftvolle Ermutigung, sich für Familiengeschichte zu interessieren. Damit sensibilisert Małeckis Roman für transgenerationale Traumata. Vielleicht erinnert sich jemand aus der Kundschaft noch an unsere Lesung mit Matthias Lohre zum Erbe der Kriegsenkel? Hier sind sie wieder, die unsichtbaren Mechanismen von Angst, Schuld und Verdrängung, die unbewusst an die nächste(n) Generatione(n) weitergegeben werden. Stellen müssen sich ihnen dann die Nachgeborenen. Im aktuellen Kontext des Einmarsches der russischen Armee in die Ukraine beschwört das Buch zudem die langwierigen Schrecknisse von Krieg, Vertreibung und der lang dauernden Bewältigung auch nach Ende eines hoffentlich schnell kommenden Friedens.
VISTA CHINESA | Tatiana Salem Levi
Deutschlandfunk Büchermarkt, Carsten Hueck
»Das ist das Großartige und das, was Literatur eben kann: Mit Worten fassen, was nicht auszuhalten ist. (…) Ein schmales Buch, ein umwerfendes Stück Literatur und auch ein Gesellschaftsbild: Intimes wird hier öffentlich und das Persönliche politisch.«
Katzenmusik | Ron Segal
Bibliothekarische Dienste
»Nach dem arabisch-israelischen Sechstagekrieg im Jahre 1967 fährt der Kurierfahrer Eli Ehrlich in Jerusalem einen Kater an. Er nimmt ihn mit nachhause, denn "Abel", wie er ihn nennt, stammt aus dem Ostteil der Stadt, der von Israel erobert wurde und in dem viele Haustiere von den geflüchteten Palästinensern zurückgelassen wurden. Dies ist erst der Anfang einer Reihe von Abenteuern für Eli. Sein Chef erteilt ihm seltsame Aufträge, die ihn nachts an die Klagemauer führen; er muss die Leiche eines in seinem Hause verunglückten Araber verschwinden lassen; er beginnt eine Romanze mit der Russin Anna, er wird zum Helden, als er unwissentlich einen Sprengstoffanschlag vereitelt. Zur gleichen Zeit steigt die Zahl der Streunerkatzen rasant an, auf der Suche nach Futter schrecken sie auch vor Menschenopfern nicht mehr zurück. Ein witziger, skurriler, teils auch brutaler Katzen- (und Menschen-)roman des aus Israel stammenden, in Berlin lebenden Ron Segal (vgl. "Jeder Tag wie heute", ID-A 37/14) mit dem sympathischen Eli im Mittelpunkt und der besonderen Atmosphäre nach dem kurzen Krieg als Hintergrund. Empfohlen.«